Mustang Club of Switzerland

since 1980

Mustang Grande
Ford    wollte    mit    dem    Mustang    die    Wünsche    eines    möglichst grossen    Käuferkreises    abdecken.    Aus    diesem    Grund    bot    man relativ   einfach   ausgestattete   Grundmodelle   an,   die   der   Käufer mittels    einer    ellenlangen    Zubehör-/Aufpreisliste    nach    seinem Geschmack   „personalisieren“   konnte.   Es   ist   deshalb   schwierig, einen typischen Mustang zu beschreiben. Von „Oma’s-Posti- Auto“   bis   zum   renntauglichen   Shelby;   vom   mager   ausgestatteten Sparmustang   bis   zur   Direktionslimousine   mit   allen   Extras   war   auf Basis des Mustangs alles möglich. Die   Konkurrenz   von   Ford   hatte   mit   Camaro   &   Co.   ähnliches   im Angebot.   Wie   Ford   hatten   auch   alle   Mitbewerber   eine   speziell sportliche    Version    in    den    Preislisten.    An    die    eher    ältere, komfortorientierte Käuferschaft dachte aber offenbar niemand. Für   den   1969er   Jahrgang   änderte   Ford   seine   Strategie.   Anstatt viele   Einzeloptionen   anzubieten,   die   der   Kunde   in   den   Preislisten mühsam    zusammensuchen    musste,    schnürte    man    neu    ganze Ausstattungspakete.   Während   der   „Mach   1“   auf   die   sportliche   Kundschaft   abziehlte,   wollte   man   mit   dem „Grandé“ die komfortorientierte Käuferschaft ansprechen. 1969   stand   der   Grandé   erstmals   in   den   Showrooms.   Den   Namen   hatte   man   der   spanischen   Sprache   entliehen. Ausschliesslich   als   Hardtop   Coupé   (Stufenhecklimousine)   erhältlich,   bot   der   Grandé   einigen   Luxus   an,   den   der normale   Hardtop   nicht   zu   bieten   hatte.   Aeusserlich   wurde   der   Wagen   aufgepeppt   mit   Speichenradkappen, Chromleisten   an   den   Radläufen,   den   Türschwellen   und   am   Heck,   Zierstreifen   über   die   ganze   Wagenlänge entlang    der    Fensterlinie    sowie    einem    Grandé-Schriftzug    am    Dachpfosten.    Die    normalen    verchromten Seitenspiegel    wurden    ersetzt    durch    „Racing“-Spiegel,    die    in    Wagenfarbe    lackiert    waren.    Obwohl    nicht Standard,    wurden    die    meisten    Autos    mit    zusätzlichem    Vinyldach ausgeliefert. Auch gab sich der Grandé luxuriös: Spezielle Sitzbezüge mit   einer   Mischung   aus   Kunstleder   und   Stoff   passten   sehr   gut   zu   den Holz(folien)einlagen   in   den   speziell   ausgeformten   Türverkleidungen mit   Innenleuchten   und   am   Armaturenbrett.   Der   Beifahrer   hatte   in seinem   Armaturenbrettbereich   eine   grosse   runde   Uhr   im   Blickfeld. Rechts   daneben   informierte   eine   Grandé-Plakette,   dass   man   es   hier mit   einem   Luxus-Mustang   zu   tun   hatte.   Der   Fahrer   dirigierte   den Wagen     über     ein     Deluxe-3-Speichen     Lenkrad.     Die     hinteren Seitenverkleidungen      waren      gepolstert,      gegenüber      nackten Blechverkleidungen    im    Standard-Mustang.    Um    die    Pedalgummis waren   Chromringe   montiert.   Hinter   den   Türverkleidungen   und   unter dem   Teppich   sorgten   28   kg   zusätzliche   Isolation   für   eine   bessere Geräuschdämmung.   Die   Hinterachsaufhängung   war   mit   zusätzlichen Gummielementen     versehen,     die     die     Abrollgeräusche     von     der Fahrgastzelle fernhielten. Motorisch   war   vom   3,3   Liter   6-Zylinder   bis   zum   7-Liter   V8   die   ganze   Palette   erhältlich.   Auch   bei   den   Getrieben hatte   man   die   gesamte   Palette   zur   Verfügung.   Mit   weiterem   Sonderzubehör   wie   Klimaanlage,   verstellbarem Lenkrad   und   Tempomat   stiess   der   Wagen   schon   fast   in   „Thunderbird“   Dimensionen   vor,   der   als   die   Luxuslimo schlechthin   galt.   Nur   Abmessungen   und   Preis   gaben   sich   etwas   bescheidener.   Kostete   ein   6-Zylinder   Hardtop   in Grundausstattung   damals   2721   $,   waren   für   die   Grandé-Ausstattung   205   $   zusätzlich   anzulegen.   Mit   einigen Goodies konnte der Preis allerdings locker auf 4500 $ hochgetrieben werden! Für   1970   wurde   die   Standardausstattung   etwas   abgeändert:   Neu gehörte   ein   „halbes“   Landau-Vinyldach   zum   Lieferumfang.   Das „volle“     Vinyldach     blieb     weiterhin     aufpreispflichtig.     Zu     den üblichen   Vinyldachfarben   weiss   und   schwarz   gesellten   sich   je nach    Wagenfarbe    auch    blau    und    grün    mit    Kleinkaromuster (sogenanntem    „Houndsthooth“)    sowie    ein    Lederimmitat.    Die Decor-Seitenstreifen   wanderten   von   der   Fensterlinie   hinunter   zur Gürtellinie.    Eine    breite    Zierblende    entlang    den    Türschwellen ersetzte   die   dünne   Chromleiste   der   69er   Modelle.   Der   Teil   zwischen   den   Rückleuchten   im   Heckblech   wurde   mit einer   schwarzen   Zierblende   ausgefüllt.   Die   Speichenradkappen   wichen   Standard-Mustang-Raddeckeln.   Im Innern    fand    man    neu    Hochlehnensitze    mit    integrierten    Kopfstützen,    im    Gegensatz    zu    den    aufgesetzten Nackenstützen   vom   Vorjahr.   Ein   neuer   Bezugsstoff   mit   Kleinkarros   wurde   verwendet.   Bei   der   Motorisierung hatte   man   weiterhin   die   volle   Auswahl.   Das   gefällige   3-Speichen   Lenkrad   wurde   durch   eine   Standard-2- Speichen Version ersetzt. Trotz allen Aenderungen blieben die Preise exakt auf dem Vorjahresniveau. Für   den   1971er   Jahrgang   wurde   der   Mustang   komplett   neu   gestaltet.   Mit   verlängertem   Radstand   fiel   er   sowohl breiter   als   auch   länger   aus.   Die   Hardtop-Karrosserie,   auf   der   der   Grandé   basierte,   erhielt   einen   ausgefallenen hinteren   Dachabschluss.   Die   Dachpfosten   wurden   nach   hinten   verlängert   und   die   Heckscheibe   war   jetzt   wie   in einem   Tunnel   platziert.   Das   Design   ist   heute   auch   bekannt   unter   dem   Namen   „der   mit   der   komischen Heckscheibe”.   Damals   war   dieses   Stylingelement   sehr   beliebt   und   war   auch   an   der   Corvette   oder   dem   Dodge Charger   zu   finden.   Obwohl   die   Sicht   nach   hinten   dadurch   enorm   behindert   wurde,   ergab   dies   einen   fürstlichen Panoramablick   –   verglichen   mit   einem   Sportsroof   oder   Mach1   dieser   Jahre.   Dort   bildete   die   Heckscheibe   eine Art vergrössertes Dachfenster! Die   Standard-Ausstattung   vom   vollen   Vinyldach   mit   Grandé-Schriftzug   bis   zum   Interieur   blieb   von   1971   bis 1973   nahezu   unverändert.   Die   Vinyldachfarben   waren   wieder   weiss,   schwarz,   blau,   grün   oder   braun,   je   nach Aussen-   und   Innenfarbe   des   Mustangs.   Auch   die   Radlaufzierleisten,   die   Schwellenblenden,   die   Heckblende,   die Sportseitenspiegel   (links   von   innen   verstellbar)   und   der   seitliche   Decorstreifen   blieben   bestehen.   Bei   der Motorisierung   und   den   Getrieben   hatte   man   wie   in   den   Jahren   zuvor,   weiterhin   volle   Wahlfreiheit.   Im   Interieur waren   die   Armaturen   schwarz   eingefasst;   „Holz“   gabs   nur   noch   im   Mittelteil,   der   neu   auch   den   Grandé- Schriftzug   beherbergte.   Die   Sitze   mit   ihren   Stoffeinsätzen   waren   weiterhin   nur   im   luxuriösen   Grandé   erhältlich und   die   Türen   waren   mit   den   aufwändig   konturierten   Verkleidungen   ausgestattet.   1971   konnten   erstmals elektrische   Fensterheber   bestellt   werden,   die   aber   nur   in   knapp   10   %   aller   Grandés   eingebaut   wurden. Gesamthaft   erhielten   nur   2.6   %   aller   71er   Mustangs   elektrische   Fenster.   Der   Rest   musste   sich   mit   den „Fitnessfenstern“   begnügen.   Zum   Vergleich:   1971   wurden   38   %   aller   Mustangs   mit   Klimaanlage   ausgeliefert! Ohne    spezielle    Bestellung    waren    Standard-Mustangraddeckel    auf    den    Felgen    montiert.    Alle    anderen Zierblenden und Felgen waren gegen Aufpreis erhältlich. 1972   änderte   sich   praktisch   nichts.   Ein   spezieller   Grandé-Raddeckel   wurde   Serien-Standard   und   der   seitliche Karrosserie-Decorstreifen   wanderte   wieder   hinauf   an   die   Fensterlinie.   Dort   erstreckte   er   sich   von   der   vorderen bis   zur   hinteren   Kotflügelecke   in   den   Farben   gold/grün,   gold/weiss   und   schwarz/orange,   passend   zur   jeweiligen Aussenfarbe.   Aufgrund   der   neuen   Abgasgesetze   wurde   der   429er   V8   (7   Liter   Motor)   aus   dem   Programm gestrichen.   Diese   Motorisierung   war   beim   Grandé   sowieso   extrem   selten   bestellt   worden:   Ganze   86   Stk.   der 83108   gebauten   71er   Hardtops   waren   mit   diesem   Motor   ausgestattet!   Wieviele   davon   Grandés   waren,   ist   nicht bekannt. Die      US-Regierung      erliess      für      1973      verschärfte Sicherheitsbestimmungen.               Zusätzlich               zum Seitenaufprallschutz,   der   seit   1971   in   die   Türen   eingebaut wurde,   mussten   die   Stossstangen   einen   Rempler   bis   5   mph (ca.   8   km/h)   aushalten,   ohne   stark   beschädigt   zu   werden. Ford    löste    dieses    Problem    mit    Stossstangen,    die    etwas weiter   von   der   Karrosserie   abgesetzt   waren   und   verstärkte die    Aufnahmepunkte.    Dazu    wurden    die    Aufnahmen    wie eine   Art   Stossdämpfer   ausgebildet   und   in   Gummi   gelagert. Nach   einem   Aufprall   schnellten   die   Dämpfer   sofort   zurück und   brachten   die   plastifizierte   und   in   Wagenfarbe   lackierte Stossstange      wieder      zurück      in      die      Ausgangslage. Abgesehen   von   einem   anderen   Kühlergrill   blieb   sonst   alles beim   Alten.   Aufpreispflichtige   Extras   wie   Klimaanlage,   Radio,   Mittelkonsole,   Servolenkung   und   –bremsen wurden   so   oft   bestellt,   dass   viele   meinten,   diese   Goodies   gehören   zur   Serienausstattung.   Mit   dem   Mustang   der ersten   Generation   starb   1973   auch   der   Grandé.   Ab   1974   hiess   die   Luxusvariante   des   Mustang   II   „Ghia“. Folgende Stückzahlen wurden in den fünf Jahren seines Bestehens gebaut: Und   die   Moral   von   der   Geschichte:   Auch   wenn   im   Volksmund   so   genannt   –   noch   lange   nicht   jeder   Hardtop Coupé Mustang ist ein Grandé. Und der „Mach 1 mit dem komischen Dach“ ist eigentlich ein Hardtop.
Jahr Stückzahl 1969 22186 1970 13583 1971 17406 1972 18045 1973 25274
Autor: Iso Schwager 
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